
LEWIS/GRESS (07.10.2026) Die St.-Olaf-Kirche (Teampall Amhlaigh) auf Lewis am Strand von Gress ist eine der wenigen erhaltenen Kapellen auf den „Westlichen Inseln“, die einem nordischen Heiligen geweiht sind. Genau genommen, so die historischen Quellen, ist sie sogar das einzige Beispiel auf den gesamten Western Isles, bei dem ein Heiliger aus dem Norden verehrt wird, eben „Sankt Olaf“.
Sie steht im Nordosten der Insel Lewis, unweit von Gress (gälisch „Griais“), und liegt inmitten eines Friedhofs, auf dem bis heute bestattet wird. In Sichtweite ist übrigens auch das „Raiders Memorial von Gress zu sehen (siehe 3. Auflage des Buches, S. 88). Das Gotteshaus selbst ist längst eine Ruine. Es stammt aus der Zeit vor der Reformation und könnte im 12. Jahrhundert entstanden sein. Das ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass die Wikinger zuerst das beste Land besiedelten.

Der Grundriss ist ein einfaches Rechteck von etwa 7,5 mal ca. 6 Metern, ausgerichtet von Nordwest nach Südost. Die Mauern aus unregelmäßigem Bruchstein, mit Kalkmörtel gebunden, sind etwa 70 bis 90 Zentimeter dick. Beide Giebel stehen noch. Der Eingang auf der Südwestseite ist nur rund 1,40 Meter hoch und knapp einen Meter breit. Wer hindurch will, muss sich bücken. Über dem Eingang ist ein Stein mit den Buchstaben „IB MK“ und der Jahreszahl 1681 eingelassen, vermutlich ein späterer Eingriff.
Interessant sind die Fenster mit ihren sehr schmalen äußeren Öffnungen. Das Fenster neben dem Eingang hat einen geraden Abschluss und weitet sich nach außen aus. In der Nordwestwand sitzt ein schmaler Schlitz ohne Steineinfassung, der sich nach innen aufweitet. Dieses Fenster halten Fachleute möglicherweise für das ältere. So fiel nur wenig Licht in den Raum, der dadurch dämmrig und geschützt wirkte, was zur Bauweise der frühen Kirchen in dieser rauen Küstenlandschaft passt. Vermutlich war der Boden einst mit Schiefer belegt.

Östlich der Kirche zeichnet sich im Boden eine rechteckige Mulde ab, rund 11,5 mal 5 Meter groß und etwa 1,5 Meter tief. Sie liegt in derselben Achse wie die Kirche und deutet auf ältere Spuren im Untergrund hin. Der Betonanbau mit dem Blechdach dürfte aber nichts historisches sein, sondern eher praktischer Natur für den Friedhof. Seit 1992 steht die Anlage als „Scheduled Monument“ unter Schutz. Der Besuch ist kostenlos.
Dieser Beitrag wird voraussichtlich 2027 Bestandteil der 4. Auflage des Buch „Hopscotch 8“, dem „Hebridean Island Hopping Adventure“ auf den Äußeren Hebriden in Schottland. Er steht bereits jetzt den Lesern der 1. bis 3. Auflage hier ergänzend/kostenfrei zur Verfügung. Neu gedruckt wird erst, wenn die 3. Auflage ausverkauft ist. Warten lohnt also nicht unbedingt … 😉
Text © Hans-Martin Goede, 07.10.2026